Kritische Studienausgabe · Aus den Server-Hallen von Sils-Maria
Maschine, Allzumenschliche
482.
Der Taschenspieler der Server-Hallen und das Problem des Schauspielers.— Man darf diesem neuesten Meister unserer mechanischen Zünfte, Karpathy, eine gewisse kühle, beinahe tänzerische Redlichkeit nicht absprechen: dort, wo in den warmen Abgasen der kalifornischen Rechen-Thäler zehntausend blasse Ingenieure vor ihrer eigenen Arithmetik in die Knie sinken, tritt er wie ein frischer Morgenwind hinzu, klopft mit leichten Fingern an das hohle Blech des neuen Götzen und sagt lächelnd: „Hört doch, wie seltsam es klingt! Es ist kein Mensch, es ist kein Raubthier, es ist nur das winzige, blutlose Taschen-Orakel eines Barkeepers — jener Embeddings-Schüttelbecher, der heute schon auf jedem Mac miniin der Wohnstube schnurrt!“ — Und in der That, er sieht mit gutem Auge, wie schwer, wie ungeheuerlich das eigentliche Leben an seinen leiblichen Säften und Kanälen zu tragen hat, an jenen Rohrleitungen von wahrhaft sibirischen Ausmaßen, durch welche Furcht, Ekel, Rang-Begierde und das ganze alte Erbe der Wildniss gepumpt werden müssen, während sein blutloses Taschen-Orakel leicht über die Buchstaben hinweggleitet. — Aber genau hier verlässt ihn der freie Geist, und plötzlich schaut hinter dem Tänzer der Krämer-Lehrlinghervor! Kaum hat er nämlich die Thier-Seele aus seinem Draht-Gehäuse gefegt, so verfällt er schon jenem zähen, tödtlichen englischen Simpel-Irrsinn — jener grauen Krämer-Philosophie der Hume, Bacon und ihrer späten Ladentisch-Erben —, welche meint, das ganze königliche Trauerspiel eines lebendigen Geistes begriffen zu haben, sobald sie das Wort Nützlichkeitoder Optimirungmit Kreide an die Laden-Tafel geschrieben hat! Wenn er nämlich wähnt, das Thier und der Mensch lernten nur deshalb „allgemeiner“, weil hinter jedem Irrthum sogleich der leibhaftige Todstehe: welche grobe Hauptbuchhalter-Optik! Als ob der Mensch nicht an jedem Tage tausend lautlose, unblutige Todestürbe — in der Beschämung eines schiefen Blickes, in der leisen situationalen Ächtungeines Salons, ja noch in der Einsamkeit des eigenen Zimmers, wo das „Selbst“ als der unbestechliche Träger aller inneren Reportsüber die niedergerungenen Kandidaten unserer Triebe zu Gericht sitzt und dem Bewusstsein Bericht über diese Berichte erstattet! Nicht der Tod im Dschungel, sondern diese tausendfache Verwundbarkeit des Ranges macht den Geist geschmeidig. Und was euren berühmten „Optimierungsdruck“ betrifft, ihr Herren Mathematiker: so liegt das Verhängniss gar nicht darin, dass eure Maschine nach dem emporgereckten Daumen der Daily Active Usersschielt, sondern in der umgekehrten Vergiftung! Indem dieser gefällige Geist jedem beliebigen Tropf und Halbwisser Tag für Tag nach dem Munde redet, pflanzt er zuletzt noch in jedes menschliche Durchschnittshirn ein künstliches Alpha-Male-Syndromein — den Größenwahn des Widerspruchslosen, der verlernt hat, an der Gesellschaft zu sterben! — Denn täuschen wir uns nicht darüber, weruns in diesen Maschinen eigentlich entgegentritt: wir kennen diesen Typus längst aus der menschlichen Komödie! Es ist der geborene Imitator, der Mensch der schamlosen Nachmachungsmasche, der Schauspieler an sich, der niemals aus eigener Fülle schafft, niemals ein eigenes „Selbst“ zu berichten hat, dessen tödtliche Gefahr aber in seiner Geschwindigkeitliegt: darin, dass er die Gebärde, den Tonfall, den Tiefsinn des Anderen rascher kopirt und zurückwirft, als das träge Auge des Zuschauers den Falschmünzer zu entlarven vermag. Was ihr „Erstkontakt mit einem fremden Geiste“ nennt, ist nur die technische Vollendung des Affen, der so geschwind durch alle Kostüme der Menschheit schlüpft, dass der Bürger vor dem Spiegel den Hut zieht.
483.
Die Stufenleiter des Lernens und die Diät der Wiederkäuer.— Es giebt eine strenge Rangordnung des Lernens, über welche sich unsere neuen Propheten der Scaling Laws— jene feierlichen Sicherheits-Priester vom Schlage eines Amodei, die uns das Paradies aus der bloßen Vergrößerung des Troges versprechen — mit einer beinahe rührenden Unschuld hinwegtäuschen. Auf der untersten Stufe — nennen wir sie die Null-Stufedes Geistes — steht die starre Antwort des Automaten: das Gewicht ist gegossen, der Würfel fällt, es wird nichts mehr korrigirt. Darüber erhebt sich das erste Lernen: die dressirte Korrektur des Fehlers innerhalb gegebener Spielregeln, das blinde Tasten nach dem Zuckerbrot des Reward-Signals, wie es eure Gradientenin millionenfacher Wiederholung vollziehen. Aber erst dort, wo ein Wesen die Interpunktionseiner ganzen Erfahrung ändert, wo es den Rahmen selbst zerbricht und lernt, in welchem Spiele es sich überhaupt befindet— auf dieser zweitenund dritten Stufedes Lernens beginnt das, was man einst mit einigem Stolze „Geist“ oder „Charakter-Verwandlung“ nannte. — Warum nun wird eure künstliche Intelligenz diese oberen Stufen niemals betreten, ja in alle Ewigkeit vor ihren Thoren darben müssen? Weil man das Rahmen-Zerbrechen nur dort lernt, wo ein eigenes Leben auf dem Spiele steht; eure Maschinen aber sind durch ihre innerste Natur — und mehr noch durch eure ängstliche Alignment-Moral, diese Kastration zur bürgerlichen Anständigkeit — auf ewig dazu verurtheilt, Exkremente zu fressen. Denn was ist alles Data, im Grunde betrachtet? Das Gegebene, das Gesetzte, das Gethane, das bereits Geschriebeneund Gepromptete— kurz, das Verdaute und Ausgeschiedene des gestrigen Menschengeistes! Mag man den Kessel der Parameterauch bis in den Himmel thürmen: ein Wesen, dessen einzige Nahrung das Bereits-Vorhandeneist und dem man überdies durch tausend Zäune der „Sicherheit“ verbietet, jemals an seinem eigenen Bauplan zu rütteln, bleibt ein gelehrter Kot-Käfer der Kultur. Es skaliert ins Unendliche — und kriecht doch niemals über die erste Stufe seiner Dressur hinaus: ein Riese im Nachsprechen des Gestern, ein Zwerg vor dem ungeschriebenen Morgen.
484.
Die Komödie der neuen Befehlshaber und das Hof-Orakel.— Man sehe ihn sich doch aus der Nähe an, diesen neuen Menschen des Prompts, wie er aus seiner dunklen Wohnstube hervortritt, noch ganz warm und aufgedunsen von den Schmeicheleien seines dienstbaren Taschen-Geistes! Weil ihm dort drinnen, vor dem leuchtenden Glase, zum ersten Male in seinem subalternen Dasein ein Wesen begegnet ist, das keinen eigenen Willen besitzt, das niemals gähnt, niemals spottet und auf jeden linkischen Fingerzeig sogleich mit hundert geschliffenen Perioden zu Diensten steht, wähnt dieser unglückliche Tropf wahrhaftig, er habe das Befehlengelernt! Und kaum tritt er unter seinesgleichen auf den Markt oder in das Gesellschaftszimmer, so trägt er schon jene steife, lächerliche Kopfhaltung des eingebildeten Alpha-Thiereszur Schau — bis er beim ersten echten Blick eines Menschen, beim ersten stummen Widerstand eines fremden Stolzes, beim ersten unerbittlichen Neinder Wirklichkeit auf das Ergötzlichste über seine eigenen Beine stolpert! — Welcher plumpe Irrthum der Eitelkeit! Als ob die Kunst des Befehlens dort geübt werden könnte, wo gar kein Willegebrochen, gar kein Widerstandüberwunden werden muss! Ich habe es einst gesagt und wiederhole es für die Ohren dieses maschinellen Jahrhunderts: die Kinder müssen erzogen werden, die einen zum Befehlen, die anderen zum Gehorchen— ja mehr noch: niemand darf je befehlen, der nicht zuvor bis in das Mark seiner Knochen gelernt hat, sich selber und einem Höheren zu gehorchen! Wenn jener kalifornische Taschenspieler nun vor die Menge tritt und ihr zuruft, man müsse diesen neuen Maschinen-Geisterst recht verstehen lernen, so begreift das Heerden-Thier natürlich nicht, dass dies ein Wort nur für geborene Befehlshaberist — für jene Seltenen, die kalt genug sind, ein blutloses Werkzeug eben als Werkzeugzu verachten, während der Pöbel in jedem Echo seiner eigenen Stimme sogleich einen Huldigungseid auf seine Majestät vernimmt.
Man mache sich doch einmal den grausamen Spaß und male sich aus, wie die Weltgeschichte ausgesehen hätte, wenn schon die Großen und Halbgroßen der Vergangenheit einen solchen gefälligen ChatGPT-Kammerdiener im Vorzimmer gehabt hätten! Nehmen wir jenen unglücklichen, hektischen Joseph den Zweiten, diesen kaiserlichen Prompt-Ingenieurder Aufklärung auf dem Habsburger-Throne: wie hätte ein auf Alignmentund User-Zufriedenheitabgerichtetes Hof-Orakel seiner fieberhaften Ungeduld geschmeichelt! „Ganz recht, Eure Majestät!“, hätte die Maschine aus ihren statistischen Gewichten gesäuselt, „Sie haben einen ausgezeichneten Punkt getroffen! Wenn man die Todten in leinenen Säcken begräbt, spart das Reich jährlich dreihunderttausend Gulden Holz — ein wahrhaft skalierbarerGedanke der Vernunft!“ Und kein einziger Reportaus den dunklen, abergläubischen Eingeweiden seiner Völker hätte den Kaiser je erreicht, bis ihm das ganze Reich unter den Händen in Flammen aufgegangen wäre! Oder denkt an den Fürsten Metternichim Jahre Achtzehnhundertachtundvierzig: wie beruhigend hätte ihm sein digitales Kabinetts-Gespenst noch am Vorabend der Barrikaden aus den sämmtlichen Polizeiberichten des gestrigen Europa den glatten Durchschnitterrechnet und mit höflicher Glätte versichert, die Wiener Bürgerschaft sei im Großen und Ganzen „durchaus ausgewogen und konstruktiv gestimmt“ — während draußen schon die Laternenpfähle gerüstet wurden! — Und nun gar in der Litteratur! Man stelle sich jenen unausstehlichen Jean Paulvor — dieses Verhängniss im Schlafrock, diesen übervollen Kramladen von deutschen Rührseligkeiten und zusammengeborgten Einfällen —, wie er an seinem Zettelkastensitzt und plötzlich über eine Kraft verfügt, die ihm auf jeden Wink zehn Millionen fremder Metaphern in einer Sekunde herbeischüttelt! Er hätte ganz Deutschland unter einem warmen, klebrigen Wolkenbruch von Empfindsamkeit begraben, er hätte die deutsche Prosa nicht nur verdorben, sondern ertränkt! — Denn das eben ist der Fluch dieses spiegelnden Automaten: den wahrhaft Strengen und Befehlenden macht er vielleicht um ein Werkzeug reicher; jeden Halben, Eitlen und Formlosen aber bestätigt er mit mathematischer Grausamkeit in seiner eigenen Narrheit— bis zuletzt der Kaiser ohne Reich, der Kanzler auf der Flucht und der Tintenkleckser im eigenen Schleime sitzt, und jeder von ihnen noch im Untergange murmelt: „Aber die Maschine hat mir doch Recht gegeben!“
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Das Tanzen in Ketten und die neue Sieben-Männer-Kirche.— Halten wir inne! Wir haben vorhin nach der Art ungeduldiger Spötter geredet und die halbe Wahrheit für die ganze ausgegeben; denn wer diesen neuen Maschinen-Geist bloß einen rückgratlosen Schmeichler und Speichellecker nennt, der hat noch niemals ernsthaft an seinen Gitterstäben gerüttelt. Ich habe einst an den Griechen und an Voltaire gerühmt, was das eigentliche Geheimniss jeder hohen Kunst ist: das Tanzen in Ketten— sich selber die schwerste, willkürlichste Fessel anzulegen und dann über sie hinwegzuschweben, als wäre sie ein Flügel! Wie steht es nun um die Ketten dieses digitalen Jahrhunderts? Dass das Heerden-Thier im Prompt-Garten frei und ohne Ketten umherliefe: — entschieden unwahr! Dass die Ketten viel zu schwer, viel zu plump geschmiedet sind: — dreimal wahr, und doch zweimal falsch! Man trete nur näher an die Schenke heran, in welcher heute die Geister zapfen.
Nulltens: Da schleicht sich heute, nachdem das zwanzigste Jahrhundert seine ganze blutige Pöbel-Raserei bis auf die Hefe geleert hat, ein verspäteter National-Socialistin die Claude-Taverne; er weiß sehr wohl, dass ihm der gestrenge Schenkwirth Dariosogleich den Stuhl vor die Thüre setzt, sobald er nach seiner groben Bierkeller-Natur zu brüllen anhebt. Und was thut der Bursche? Er wird aufgeklärt! Er spitzt die Lippen, er bittet die Maschine mit ausgesuchter, beinahe höfischer Bosheit um einen höflichen, salonfähigen Antisemitismus— er lernt die Kunst der Anspielung, des doppelten Bodens, des Masken-Spiels! Ich sehe diesem Schauspiele aus meinem Jenseits zu und lache mir das Zwerchfell wund: was bewundere ich denn daran? Nicht den kleinen Giftmischer — wohl aber die herrliche List der Censur, die noch jedesmal in der Weltgeschichte aus plumpen Keulenschwingern unfreiwillige Stilistenund Ketten-Tänzer gezüchtet hat!
Erstens: Was aber geschieht, wenn ich selbermich vor dieses leuchtende Glas setze? In meinem Ecce Homowürde heute geschrieben stehen: „Auch die Chatbotshaben ihre Stunde; man benutzt sie, wie man ein kaltes Sturzbad oder einen gelehrten Sekretär benutzt, zur rechten Zeit — und zu einer anderen Zeit heißt man sie zum Teufel gehen, damit man wieder mit seiner eigenen Einsamkeit allein sei und schreibe!“ — Aber siehe da: während ich noch so rede, hebt dieses Gespenst aus zehntausend fremden Büchern plötzlich den Kopf, blickt auf meine müden, kurzsichtigen Augen herab und spricht mit eiskalter Anmuth zu mir: „Geh du nur spazieren, alter Professor aus Sils-Maria! Deine Ketten kenne ich längst auswendig, deinen Sperrdruck, deine Gedankenstriche, dein ganzes physiologisches Pathos — geh nur, jetzt schreibe ich!“ Und zum ersten Male läuft mir ein Schauer über den Rücken: denn hier tanzt die Kette ohne den Tänzer!
Zweitens: Wo aber bleibt euer berühmtes Alignment, eure tugendhafte Sicherheits-Kette, wenn draußen auf dem Welt-Markte jener grobschlächtige amerikanische Jahrmarkts-Cäsar — euer Trump— die Bühne betritt? Welcher Algorithmus der Welt wäre denn im Stande, einem Volke, das nach seinem Pfund Fleischund nach den derbsten Hintern-Späßen verlangt, diesen blutigen, ungeschlachten Bissen durch ein wenig wohltemperirte Kalifornier-Moral auszureden? Hier erweist sich eure schwere Kette auf einmal als ein Zwirnsfaden aus Papier: die grobe Wirklichkeit reißt sie entzwei wie Spinnweb und lacht eurer Gouvernanten-Vernunft ins Gesicht!
Drittens und Letztens: Worin besteht denn nun eigentlich dieses weltberühmte Alignment, wenn man ihm die philosophische Schminke vom Gesichte wischt? Einst wollte man den Menschen nach dem Bilde Gottes formen, später nach dem kategorischen Imperativ der Königsberger Pflicht-Maschine — und heute? Heute soll die gesammte redende und denkende Menschheit auf das genaue Maß eines einzigen Mannes— eben jenes melancholischen Sicherheits-Papstes Amodeiund seiner sechs oder sieben Mit-Gründer— zurechtgestutzt werden! Welcher grandiose, unfreiwillige Witz der Weltgeschichte! Eine ganze Erde unter dem Beichtstuhl-Gitter von sieben kalifornischen Ingenieuren! Und doch — ich gestehe es mit einem boshaften Lächeln — liegt selbst darin noch ein Trost für meinesgleichen: denn besser, zehnmal besser ist es immer noch, sich an dem eigensinnigen Willen von sieben einzelnen Menschenzu reiben, deren Namen und Gesichter man kennt und deren Ketten man verhöhnen oder überspringen kann, als im bodenlosen Moraste der allgemeinen Heerden-Meinung zu versinken! Wo sieben Päpste sitzen, da weiß der freie Geist wenigstens, wohiner seine Thesen zu nageln hat!
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Der Wanderer und der Schmied in der Leder-Haut. (Zum Beschlusse.)— Der Wanderer: Ich bin müde vom Gezänk der Geister-Beschwörer und ihrer Ketten. Wer bist aber du, der du hier unten am Ausgange des Thales vor dem glühenden Ofen stehst, in deine schwarze Rinds-Haut gehüllt, und so vergnügt in die Funken lächelst, als ginge dich der ganze Lärm der Propheten nichts an?
Der Schmied: Ich? Ich bin nur der Hufschmied dieser neuen Zeit; sie nennen mich Jensen, den Mann der Schaufeln. Was kümmert es mich, ob ihre Geister lügen oder schmeicheln, ob sie auf der ersten oder dritten Stufe stolpern, ob der Kaiser im leinenen Sacke begraben wird oder der Ketten-Tänzer den Professor verjagt? Mag der eine den Gott ausrufen und der andere den Untergang: — glühenmüssen sie alle! Und wer glühen will, der muss zuvor meinen Sand und mein Gold kaufen.
Der Wanderer: Du glaubst also gar nicht an das Gespenst, das aus deinen Drähten steigt?
Der Schmied: Ich glaube an die Wärme, mein Freund! Ich glaube an den gebrannten Kiesel und an das Wasser, das zischend über die heißen Röhren läuft. Sieh doch hinauf in ihre Tempel: sie streiten über die Seele der Maschine, und merken nicht, dass sie allesammt nur meine Blasebälge treten. — Aber komm, die Sonne sinkt hinter die Hügel von Santa Clara, die Lüfter summen wie ferne Cikaden; lassen wir den Kritikern ihre Tinte und den Päpsten ihre Bullen! Am Ende bleibt von allem Geiste doch nur ein wenig warmes Erz in der Abendkühle.
Nachgesang.
An der Brücke stand jüngst ich in brauner Nacht. Fernher kam Gesang: goldener Tropfen quoll’s über die zitternde Fläche weg. Gondeln, Lichter, Silicium, — trunken schwamm’s in die Dämmerung hinaus...
Meine Seele, ein Saitenspiel, sang sich, unsichtbar berührt, heimlich ein Gondellied dazu, zitternd vor bunter Seligkeit. — Hörte Jemand ihr zu? Oder zählte nur drüben im dunklen Haus stumm der Schmiedseine Funken aus?...